Die Cubes, die COLB bekannt gemacht haben, basieren auf einer einfachen Idee: Keramikfliesen, mineralisierte Fugen, strenge Geometrie. Was passiert, wenn man bei allem bleibt — der Form, dem Fugenwerk, der Präzision — und nur das Material tauscht? Diese Frage beschäftigt uns gerade. Das Ergebnis sind Cubes aus handgefertigten Holzfliesen.

Die Grundstruktur bleibt identisch. Der Cube ist ein Cube: ein dreidimensionaler Körper, der aus einzelnen Fliesen aufgebaut wird und durch mineralisierte Fugen zu einem Ganzen wird. Was sich ändert, ist ausschließlich die Materialität der Fliesen selbst — von gebrannter Erde zu gewachsenem Holz. Und dieser eine Schritt verändert nahezu alles, was man spürt, sieht und erlebt, wenn man vor einem solchen Objekt steht.

Warum Holzfliesen — und warum jetzt?

Holz ist im Kontext von Fliesen eigentlich ein Widerspruch in sich. Fliesen sind, historisch gesehen, ein Material des Beständigen, des Brennens, des Unveränderbaren. Keramik und Stein trotzen der Zeit. Holz hingegen lebt: es arbeitet, atmet, altert, verändert sich mit Feuchte und Licht. Es hat eine Geschichte, die man sehen und fühlen kann.

Genau darin liegt das Interesse. Die Cubes-Serie bei COLB ist keine dekorative Übung, sondern eine Untersuchung der Beziehung zwischen Form, Material und Wahrnehmung. Die Frage, was passiert, wenn man ein lebendiges, organisches Material in die strenge Geometrie einer Fliese zwingt — und diese Fliesen dann zu einem kubischen Körper verdichtet — ist eine, die sich nur im Experiment beantworten lässt.

Ein Material, das atmet, in eine Form, die steht. Der Holz-Cube ist kein Widerspruch — er ist eine Spannung, die funktioniert.

Holz vs. Keramik: was das Material mit dem Objekt macht

Der Vergleich zwischen Holz- und Keramikfliesen ist kein ästhetisches Urteil — es ist eine Analyse dessen, was Material mit Raum, Körper und Erfahrung macht. Beide Materialien sind in ihrer jeweiligen Ausführung vollwertig. Aber sie sprechen eine völlig andere Sprache.

Holzfliese Keramikfliese
Haptik Warm, leicht texturiert, lebendig unter der Hand. Die Maserung ist spürbar — jede Fliese individuell. Kühl, glatt, neutral. Gleichmäßige Oberfläche, die Präzision und Beständigkeit kommuniziert.
Optik Tiefenwirkung durch Maserung, Farbspiel durch Holzart. Kein Stück ist wie das andere. Homogen und kontrolliert. Farbe und Oberfläche sind reproduzierbar, Serienidentität möglich.
Raumwirkung Wärme, Natürlichkeit, Intimität. Der Cube wirkt einladend, weniger architektonisch monumental. Kühl, architektonisch, stark. Keramik-Cubes behaupten den Raum, setzen eine klare Aussage.
Zeitlichkeit Holz altert sichtbar — Patina, leichte Farbveränderungen. Das Objekt hat eine Lebensgeschichte. Keramik ist zeitlos im wörtlichen Sinne: unveränderlich, ohne Patina, ohne Altern.
Nachhaltigkeit Nachwachsend, CO₂-speichernd, natürlich abbaubar — bei verantwortungsvoller Herkunft. Energieintensiv im Brand, langlebig ohne Wertverlust — dauerhaft, aber nicht erneuerbar.

Die Maserung als Komposition

Was bei der Herstellung von Holzfliesen sofort deutlich wird: Holz ist niemals neutral. Jede Fliese, die aus dem selben Brett geschnitten wird, trägt eine andere Zeichnung. Die Maserung, Aststruktur, Jahresringe — sie machen jedes Element zum Unikat. Das hat Konsequenzen für den Cube als Ganzes.

Während der Keramik-Cube aus formal identischen Einheiten gebaut wird — ein Raster aus Gleichen — ist der Holz-Cube eine Komposition aus lauter Individuen. Die Herausforderung liegt darin, diese Individualität so zu organisieren, dass sie ein kohärentes Ganzes ergibt. Das ist weniger Fliesenlegen als Bildgestaltung: Wohin kommt die lebhafte Ader? Wie verlaufen Maserungsrichtungen über Ecken und Kanten?

Handwerkliche Herstellung der Holzfliesen

01

Holzauswahl

Holzart, Feuchtegehalt, Maserung — die Wahl bestimmt das Endergebnis.

02

Formatschnitt

Präzises Sägen auf exaktes Fliesenmaß — Toleranzen im Zehntel-Millimeter-Bereich.

03

Oberflächenbehandlung

Schliff, Ölung oder Hartwachs — Schutz ohne die natürliche Haptik zu verlieren.

04

Verlegung & Fugensatz

Mineralisierte Fuge wie beim Keramik-Cube — der verbindende Faktor bleibt identisch.

Die Fuge: das Element, das bleibt

Was die Cubes-Serie formal definiert, ist nicht die Fliese allein — es ist das Zusammenspiel von Fliese und Fuge. Die mineralisierte Fuge ist dabei kein notwendiges Übel, sondern ein Gestaltungselement. Ihre Stärke, Farbe und Textur bestimmen, wie stark die einzelnen Elemente gegeneinander abgesetzt werden, wie sehr das Raster als Raster lesbar bleibt.

Beim Holz-Cube entsteht durch diese Fuge ein interessantes Spiel: Das lebendige, organische Material der Fliese trifft auf die mineralisierte, anorganische, zeitlose Fuge. Diese Spannung — warm gegen kühl, gewachsen gegen gebrannt — gibt dem Objekt seine eigentliche Energie. Es ist kein Holzobjekt. Und es ist auch kein Mineralobjekt. Es ist beides gleichzeitig.

Die Fuge ist das Rückgrat des Cubes — beim Holz-Cube wird sie zum Dialog zwischen dem, was wächst, und dem, was bleibt.

Holz als Material zwischen Natur und Architektur

Holz ist das älteste Baumaterial der Welt. Gleichzeitig erlebt es in der zeitgenössischen Architektur und im Design eine starke Renaissance — nicht als Nostalgieverweis, sondern als bewusste Materialwahl in einer Debatte über Nachhaltigkeit, Sinnlichkeit und die sensorische Qualität gebauter Umgebungen.

Neuere Forschungen zur Wirkung von Holzoberflächen auf das menschliche Nervensystem zeigen: Sichtholz in Räumen reduziert messbar den Cortisolspiegel, senkt den Herzschlag und wird von Nutzerinnen und Nutzern konsistent als wärmer, beruhigender und einladender wahrgenommen als Keramik- oder Betonoberflächen. Holz ist physiologisch wohltuend — nicht nur ästhetisch angenehm.

Für ein Objekt wie den Holz-Cube bedeutet das: Es ist kein dekoratives Element, das im Raum steht und betrachtet wird. Es ist eines, das auf den Raum wirkt — und auf die Menschen in ihm.

Wohin führt dieses Experiment?

Die Frage, mit der wir begonnen haben — was passiert, wenn man nur die Materialität tauscht? — lässt sich nach diesen ersten Versuchen klarer beantworten: Es ändert sich sehr viel mehr als die Oberfläche. Es ändert sich die emotionale Wirkung, die zeitliche Dimension, die haptische Erfahrung und die Beziehung, die ein Betrachter zu dem Objekt aufbauen kann.

Der Holz-Cube ist nicht besser als der Keramik-Cube. Er ist anders. Er spricht einen anderen Teil unserer Wahrnehmung an. Und er eröffnet die Frage, welche weiteren Materialien in diese Logik übersetzbar sind — ohne dass die Grundidee verloren geht.

Das Experiment läuft. Die ersten Objekte entstehen. Wir werden berichten.

CB

Laura Korthaus — COLB Studio

Designerin und Gründerin von COLB. Handgefertigte Fliesentische und Interior Objects aus Berlin.

Experiment — laufend / April 2026